9.Etappe Teil 1. 30.03.23 – 13.04.23

720 km 7685 M ↑ 7700 M↓, 42 h

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Costa Rica war eines der Länder, auf das ich mich schon seit langem gefreut hatte. Nahezu alle Menschen, die einmal dort waren, erzählten mir, wie wunderschön dieses Land sei. Dementsprechend waren meine Erwartungen hoch. Leider waren die ersten Tage entlang der Pazifikküste alles andere als schön. Die Pazifikseite ist, wie zuvor in El Salvador oder Nicaragua, sehr trocken und heiß. Es gibt nur wenig Vegetation und im April, am Ende der Trockenzeit, macht alles einen dürren Eindruck. Die ersten 100km war ich gezwungen, der Panamericana zu folgen, welche die einzige Straße entlang der Pazifikküste ist. Mehr einer schmalen Landstraße ähnelnd, fahren hier jedoch gefühlt alle LKWs, die auf dem Weg nach Panama sind. Ständig musste ich in die Böschung ausweichen, da die LKWs mit einer hohen Geschwindigkeit haarscharf an mir vorbeifuhren, ohne mir auch nur etwas Platz zu lassen. Nach der Stadt „Liberia“ konnte ich glücklicherweise auf kleine Nebenstraßen ausweichen und fuhr weiter nach „Tamarindo“.

„Tamarindo“ ist wahrscheinlich die touristischste Stadt Costa Ricas, welche ein sehr amerikanisiertes Stadtbild vermittelt. Menschen auf Golfkarts kamen mir entgegen und eine Bar nach der anderen reihten sich entlang der Hauptstraße. Ich hatte das Glück, dass ich in der Ferienwohnung von Freunden wohnen konnte. Die ehemalige Gastfamilie meiner Schwester kaufte vor über 20 Jahren eine Ferienwohnung in einem kleinen aber sehr schön hergerichteten Wohnkomplex. Damals war „Tamarindo“ noch ein süßes verschlafenes Dorf an der Pazifikküste, das ein besonderer Geheimtipp für Surfer war. Inzwischen ist es wohl die teuerste und pulsierendste Kleinstadt des Landes. Trotz des ganzen Trubels sind die Strände rings um „Tamarindo“ wunderschön, mit weißem Sand und Palmenbewuchs. Auch die Anlage rund um die Ferienwohnung hatte einen tollen Pool, an dem ich super entspannen konnte. Die Zeit dort nutze ich, um einfach Mal nichts zu tun, die Füße hochzulegen und am Pool oder Meer zu entspannen. Mit dem Nachbarn Tim, mit dem ich mich anfreundete, philosophierte ich abends über das Leben. Er war früher professioneller Musiker und betreibt nun in der Hauptstadt ein Musikgeschäft, möchte sich jedoch mehr und mehr zur Ruhe setzten, dem Surfen nachgehen und womöglich in der Zukunft auch noch das eine oder andere Abenteuer mit dem Fahrrad bestreiten.

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Nach einer Woche der Tiefenentspannung führte ich meine Tour über das Landesinnere zur Karibikküste fort.

Auf dem Weg ins Landesinnere musste ich einige sehr steile Berge überwinden. An die extremen Steigungen hatte ich mich nach Guatemala mittlerweile gewöhnt, jedoch herrschte ein solch starker Gegenwind, dass es teilweise unmöglich war, die Berge hochzufahren. Das war eine ziemliche Herausforderung und verlangte mir viel Willenskraft ab, diesen Sturmböen und Bergen zu trotzen. Kurz vor dem Ende dieses Tages war ich der Verzweiflung so nahe und voller Wut über diese missliche Lage, dass ich überhaupt keine Lust mehr hatte. Mir kamen dann schnell Gedanken wie: „Den sauschweren … Drahtesel schmeiße ich gleich den nächsten Abhang hinunter!“ und: „Ich schwöre mir, beim nächsten Mal steige ich nur noch auf einen motorisierten Untersatz!“  Da ich mitten in der Pampa war und nur noch die Option des Laufens bestand, half mir nichts anderes, als die Zähne zusammen zu beißen und ziemlich missgestimmt, mich die letzten Kilometer durchzukämpfen. Als ich mich dann am Abend gewaschen, das Zelt aufgebaut und gegessen hatte, war ich dann doch stolz auf mich, den Tag trotz der Schwierigkeiten gemeistert zu haben und freute mich auch schon wieder ein wenig auf den nächsten Tag. Die einzige Hoffnung war, dass dieser extreme Wind nachlassen würde.

Sobald die Berge überwunden waren und ich nach zwei Tagen die „Laguna de Arenal“ erreichte, ließ der Wind nach und die Natur änderte sich schlagartig zu einem üppigen Dschungel. Es regnete mehrmals täglich, die Luftfeuchtigkeit stieg stark an und das Klima wurde milder. Endlich hatte ich das Costa Rica erreicht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das war ein vollkommen neues Level an Pflanzen- und Tiervielfalt, welches ich bisher so noch nicht gesehen hatte. Auch hier spürte ich, wie zuvor bei den „Redwoods“ oder „Big Sur“, eine totale Verbundenheit mit der Natur. Besonders lustig waren die Nasenbären, enge Verwandte der Waschbären, die völlig angstfrei auf mich zukamen und die Fahrradtaschen beschnupperten. Vorbei an „La Fortuna“ ging es nochmals in die Berge Richtung „Bajo del Toro“.

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Mein Weg in die Berge führte mich durch eine kleine Ortschaft. Da ich nicht genau wusste, welchen Weg ich einschlagen musste, hielt ich an einem Haus an und sprach mit einem Mann, der gerade sein Motorrad reparierte. Wilberth erklärte mir, wie ich fahren sollte, fragte mich, ob ich hungrig sei und lud mich bei seiner Familie zum Mittagessen ein. Die Familie war sehr nett und wir verstanden uns sehr gut. Die Zeit verging wie im Flug und ich übernachtete schlussendlich bei ihnen. Ich fühlte mich wie ein langjähriger Familienfreund, auf den sich die ganze Familie schon lange gefreut hatte.

 Costa Rica wird häufig auch als die Schweiz Zentralamerikas bezeichnet. Das liegt wahrscheinlich hauptsächlich an den hohen Preisen die nahezu US- amerikanisches Niveau haben. Beim Überqueren des über 2000 Meter hohen Passes ähnelte tatsächlich auch die Landschaft ein wenig der Schweiz. In „Bajo del Torro“ besuchte ich einen beeindruckenden Wasserfall und wanderte durch den Regenwald. In den Nachtstunden flogen Glühwürmchen um mein Zelt herum und am Morgen wurde ich von den Brüllaffenrufen und dem Vogelgezwitscher geweckt. Das war jeden Tag ein neues Erlebnis.

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Meist fing es 14 Uhr an zu regnen. Nach Minuten war alles komplett durchnässt und die Sicht so eingeschränkt, dass an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken war. Die Menschen in Costa Rica sind jedoch so freundlich und hilfsbereit, dass ich jeden Tag problemlos einen kostenlosen Schlafplatz bekam. Häufig wurde ich auf der Straße angesprochen und mir wurde das Gästezimmer, der Garten oder die Dorfkirche zum Übernachten angeboten.

Lange hatte ich darauf gewartet doch endlich sah ich die ersten Faultiere. Ohne ein geschultes Auge ist es fast unmöglich, sie zu entdecken. Wenn sie sich bewegen ist es etwas einfacher und das ist genau der ausschlaggebende Punkt. Bei mindestens 18 Stunden Schlafbedarf, bewegen sie sich eben nur sehr selten.

Weitaus aktiver sind die verschiedenen bunten Vogelarten. Hier war es meist umgekehrt. Sobald ich die Kamera herausholte, waren sie auch schon wieder weitergeflogen. Besonders freute ich mich, die wunderschönen Tukane zu sehen, die einen merkwürdigen Ruf ausstoßen, den ich so nicht erwartet hätte.

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An der Karibikseite besuchte ich das kleine Dorf „Cahuita“ an dem gleichnamigen Nationalpark. Dieser Park führt bilderbuchartig an mehreren karibischen Traumstränden entlang. Die Tiervielfalt, das türkisblaue Meer und der dichte Regenwald mit den ausgefallensten Pflanzen waren unbeschreiblich.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Costa Rica mit seinem Motto “Pura Vida”, (pures Leben), nicht zu viel verspricht und mich voll in seinen Bann gezogen hat.

Mir wird dieses tolle Land mit seiner wunderschönen Natur, den herzlichen und fröhlichen Menschen lange in Erinnerung bleiben.

Einfach nur “Pura Vida”!

So geht es weiter!

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