Und Trotzdem…! Wie mein Motto auch zu Beginn meines Abenteuers wiederkehrt.

Am 18.07.22 startete mein langersehntes Abenteuer mit dem Fahrrad.

Holprig ging es los, aber wie heißt es so schön: Was lang währt wird endlich gut!
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Am Morgen vorm Abflug in der nähe des Frankfurter Flughafens.

Am Sonntag, den 17.08, ging es dann mit dem Wohnmobil meiner Freundin und dem Rad im Schlepptau Richtung Frankfurt. So konnten wir entspannt nach Frankfurt fahren, in der Nähe des Flughafens übernachten und am nächsten Morgen in aller Ruhe zum Flughafen fahren. Am Abend trafen wir noch meine Eltern und meinen Bruder, die einen Städtetrip durch Deutschland machten und hatten ein abschließendes Abendessen.

 

Den nächsten Morgen startete ich ziemlich früh mit dem Gefühl von Lampenfieber und Gedanken wie: Willst du das wirklich machen, oder ist das nicht etwas zu groß für dich … gingen mir durch den Kopf.

Umso erleichterter war ich, dass das Filmteam schon früh eintraf und abschließende Interviews mit Susanne und mir aufgenommen wurden. Somit war ich von meinem Lampenfieber, den Zweifeln und Ängsten abgelenkt.

 

Am Flughafen war es unheimlich turbulent und enorm schwierig, einen geeigneten Parkplatz für das Wohnmobil zu finden. Umso schöner war es, dass Susanne und ich trotz des Trubels Zeit hatten, uns richtig schön voneinander zu verabschieden. Die Tränen blieben nicht aus, so viel kann ich euch verraten. Die Details könnt ihr möglicherweise in der Dokumentation sehen.

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Filmteam begleitet den letzten Abschied bevor es los geht.

Nachdem Susanne dann wieder in Richtung Heimat aufbrach, begleitete mich das Filmteam noch zur Aufgabe des Sperrgepäcks, was im späteren Verlauf der Reise von enormer Wichtigkeit werden sollte.

Aus dem Fenster in der Boardinglobby konnte ich die Flugzeugcrew und den Piloten beobachten, wie sie mit anpackten, um die Koffer in den Laderaum des Fliegers zu verstauen. Leider, wie ich später feststellen durfte, war mein Fahrrad nicht mit dabei. Mit einer ordentlichen Verspätung startete der Flieger zu einem 11-stündigen Flug nach Vancouver. Sobald ich im Flugzeug saß, war das Lampenfieber komplett verschwunden und hat sich in das Gefühl von kindlicher Freude umgewandelt.

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Boing 767 von Condor kurz vor dem Abflug

Im Flugzeug saß ich neben Max (Maxim aus Kiew), der aktuell mit seiner Familie in Deutschland lebt und einen Geschäftstermin in Vancouver hatte. Ganz schnell entstand eine tolle Verbindung mit tollen Gesprächen, sodass der Flug wie im Flug verstrich ;-). In Vancouver trennten sich dann unsere Wege, als ich Richtung Sperrgepäck ging, um es später für meinen Anschlussflug nach Calgary erneut aufzugeben. Am Sperrgepäckschalter kam dann der Schock. Nach einstündigem Warten  stellte ich ernüchtert fest, dass mein Fahrrad nicht angekommen war. Die dortigen Flughafenmitarbeiter vertrösteten mich zuerst, dass das Rad bestimmt mit dem nächsten Flugzeug ankommen würde und ich meinen Anschlussflug nach Calgary nicht verpassen solle.

 

Etwas enttäuscht, aber dennoch positiv gestimmt nahm ich den Anschlussflug nach Calgary, um dort die ersten zwei Nächte in der vorgebuchten Air B’n‘B Unterkunft zu verbringen. In den ersten Tagen verbrachte ich sehr viel Zeit am Flughafen in Calgary, um mein Fahrrad zu suchen. Leider ohne Erfolg. Keiner konnte mir zu diesem Zeitpunkt sagen, wo sich mein Fahrrad befand.

 

In diesen Tagen stand ich im dauerhaften Kontakt mit dem Produzenten des Filmteams, meiner Mutter sowie meiner Freundin, die auf unterschiedlichen Ebenen versuchten, Neuigkeiten über den Verbleib meines Fahrrades zu bekommen. Meine Eltern verkürzten sogar Ihre Rundreise durch Deutschland, um am Frankfurter Flughafen persönlich in Erfahrung zu bringen, was nun mit meinem Fahrrad passiert war. Extrem ernüchternd war, dass sie nach stundenlangem Bohren und unangenehmen Fragenstellen von Condor die Information erhielten, dass aufgrund des Personalmangels so viel Sperrgepäck liegen bleiben würde, dass mittlerweile eine Halle angemietet wurde, um die tausenden von Gepäckstücken zwischenzulagern. Laut Condor solle ich mich darauf einstellen, dass das Rad nicht vor 3-4 Monaten oder sogar erst um die Weihnachtszeit ausgeliefert werden könne. Extrem ernüchtert und frustriert über diese Information wusste ich erst einmal nicht, was ich tun sollte, da mein Abenteuer mit meinem Fahrrad zusammenhängt und in dem Fahrradkarton auch mein ganzes Camping- und Filmequipment war. Zudem kommt noch der Punkt, das Kanada unheimlich teuer ist und das Air B’n’B mit 80 Dollar pro Nacht (für kanadische Verhältnisse supergünstig) zu Buche schlug.

 

Der Gedanke, wochenlang zu viel Geld für Unterkünfte und Nahrungsmittel auszugeben und nicht zu wissen, wann und ob das Fahrrad irgendwann ankommen würde, war absolut lähmend. Auch als am nächsten Tag Susanne auf mehreren Umwegen über Bekannte und deren Freunde an einen hohen Flughafenmitarbeiter in Frankfurt kam, der ihr fest versicherte, dass das Fahrrad in Vancouver am Flughafen sein müsse, war noch frustrierender. Er meinte, dass er sich an meiner Stelle sofort in den nächsten Flieger nach Vancouver setzten würde, um dort nach dem Fahrrad zu suchen.

Nun gab es zwei Aussagen, die der festen Überzeugung waren, dass das Rad entweder in Frankfurt in einer riesigen Halle mit tausenden weiteren Sperrgepäckstücken gelagert wird oder dass das Rad in Vancouver herrenlos am Flughafen abgestellt wurde.

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Eric mein Gastgeber in Calgary

Anstatt nach Vancouver zu fliegen, entschied ich mich nach meiner dritten Nacht im Air B’n’B die Unterkunft zu verlassen und zu Eric nach Inglewood einem alten Stadtteil von Calgary nahe Downtown, der von Künstlern, kleinen Geschäften sowie urigen Bars dominiert wird zu gehen. Eric lernte ich am Abend zuvor über Warmshowers, einer Fahrradreise Community kennen und er bot mir an, für ein paar Tage bei ihm unterzukommen. Am nächsten Morgen trafen wir uns auf einen Café, er zeigte mir seine Wohnung und sagte mir, dass er mit seiner Freundin über das Wochenende zum Campen unterwegs sei und ich die Wohnung für mich haben könne. Trotz der schlechten Nachrichten am Vortag war ich so froh, dass sich nun das Problem mit den hohen Unterbringungskosten gelöst hatte und ich mich nun ohne diesen Druck auf die weitere Suche nach meinem Fahrrad machen konnte.

 

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Zeitungsartikel im Calgary Herald und der Calgary Sun.

Ohne genau zu wissen, welche der Auskünfte nun der Wahrheit entsprechen, vergingen die Tage in Calgary. Da die Wahrscheinlichkeit, mein Fahrrad innerhalb der nächsten Tage zu bekommen, äußerst gering war, entschied ich mich an die Presse zu gehen, um damit, um Hilfe zu bitten und Aufmerksamkeit für die Hirntumorhilfe in Kanada zu gewinnen. Gleich am nächsten Morgen bekam ich die Mail von der Zeitungsredaktion des Calgary Heralds, dass sie meine Geschichte sehr inspirierend fänden und mich bezüglich des Fahrrades sehr gerne mit einem Interview unterstützen würden. Schon am Nachmittag traf ich mich für das Interview und ein anschließendes Fotoshooting. Was ich unheimlich toll fand, war, dass der Artikel gleich schon am nächsten Tag in der Onlineausgabe des Calgary Heralds und der Calgary Sun zu lesen war.

Parallel dazu setzte sich der Produzent des Dokumentarfilmes in Deutschland mit dem Frankfurter Flughafen sowie mit Condor in Verbindung, um sich Klarheit zu verschaffen, welche der Aussagen nun der Wahrheit entsprächen.

Während dieser Zeit meldeten sich jede Menge unterschiedlicher Menschen, die mir ihre Hilfe anboten, mir Mut machten und mitfieberten. Zum Beispiel auch ein Pilot, der über den Social-Media auftritt des Ravensburger Krankenhaus auf mich aufmerksam wurde.

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Die Kulisse von Calgary im Hintergrund

Einen Tag nachdem der Zeitungsartikel in Calgary veröffentlicht wurde, meldete sich die kanadische Hirntumorhilfe und auch der lokale Radiosender CBC, die mich mit weiteren Berichten sowie Interviews unterstützten. Langsam geriet der Stein ins Rollen und auch in Deutschland berichteten die lokalen Medien über meinen Fahrradverlust.

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Bärenspray im MEC.

Der Gedanke, ein Fahrrad sowie das ganze Equipment neu zu kaufen, ging mir häufig durch den Kopf, war für mich jedoch kaum vorstellbar, da ich nicht einen Großteil meines Reisebudgets schon gleich zu Beginn meiner Tour ausgeben wollte. Die Idee eines Freundes, dass ich die ersten Kilometer meiner Tour auch zu Fuß à la Forest Gump mit einem Bollerwagen zurücklegen könnte, war erst mal sehr attraktiv. Ich wollte nicht mehr nur rumsitzen und warten müssen, sondern mich auf die Tour machen. Nachdem ich mich in mehreren Läden über mögliche Gefährte erkundigt hatte, war mir schnell klar, dass sich ein ordentlicher Zugwagen preislich kaum von einem Fahrrad unterscheidet, jedoch deutlich schwieriger zu beschaffen ist.

 

Mithilfe der medialen Unterstützung und des Einsatzes des Filmproduzenten schaltete sich bald die Geschäftsführung von Condor ein, die den Verlust des Gepäcks zutiefst bedauerte und sich nun selbst um die Auffindung des Fahrrades kümmerte. Gleich am nächsten Tag kam schon die Information, dass sich die Trackingnummer auf nicht nachvollziehbare Weise geändert habe und aufgrund dessen keine Nachverfolgung des Sperrgepäcks möglich war, sie sich nun aber schnellstmöglich um die Auffindung kümmern würden. Zudem entschuldigten sie sich bei mir sehr aufrichtig und sicherten mir zu, dass sie mich so gut wie es ihnen möglich sei, unterstützen wollen, damit ich mein Projekt durchführen kann.

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Second-Hand Fahrrad von Two Wheel View.

Zur gleichen Zeit meldeten sich mehrere Menschen aus Calgary, die dort über die Medien auf mich aufmerksam wurden und berichteten mir, dass es in der Nähe von Erics Wohnung einen Second-Hand-Outdoorladen gibt, der mich bestimmt unterstützen würde. Über den Outdoorladen bin ich dann an einen Second-Hand Fahrradladen (Two Wheels View) weitergeleitet worden. Glücklicherweise hatten sie ein Tourenrad in meiner Größe zur Verfügung und waren bereit, mir einen sehr guten Rabatt zu geben, um mich somit zu unterstützen.

Auch mein deutscher Sponsor „Die Bayerische“ unterstützte mich beim Kauf des Ersatzrades, sodass ich nach nun 14 Tagen des Wartens endlich auf meine große Tour starten konnte.

Zwischenzeitlich sicherte mir Condor zu, mein Fahrrad, das mittlerweile in Deutschland gefunden wurde, innerhalb der nächsten 14 Tage nach Vancouver zu bringen und die Kosten für das Ersatzequipment zu übernehmen. Nach all diesen Strapazen konnte ich nun endlich getreu meines Mottos: Und Trotzdem mein Abenteuer starten.

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Fertig gepacktes Rad am Tag vor dem finalen Start.

Ich war so froh, endlich loszufahren und nicht mehr in Calgary festzusitzen, habe aber gleichzeitig tolle Erinnerungen an diese 2 Wochen und eine neue Freundschaft mit Eric geknüpft.

So geht es weiter….

 

 

 

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2 Kommentare zu „Und Trotzdem…! Wie mein Motto auch zu Beginn meines Abenteuers wiederkehrt.“

  1. Wir wünschen ihnen alles Gute Gesundheit Kraft und Ausdauer.
    Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.
    Denke im Licht
    lebe ich Licht
    sei Licht!

    Herzliche Grüße
    Franz, Andrea, Kimberly Specker
    und Monique mit Lena Baumann in Germany!!!

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