Die Highlights, Downs & besonderen Begegnungen

Meine absoluten Highlights der ersten Etappe sind definitiv die Tage in dem Rocky Mountains. Die atemberaubende Natur, die weiten Täler mit den gigantischen Berggipfeln und die einsamen tiefblauen Bergseen. Der eindrücklichste Moment war für mich am Lake Moraine der bilderbuchartig von markanten Dreitausendern umragt wird. Wer wissen möchte, wie der See aussieht, muss nur bei Google nach Kanada suchen und bekommt an erster Stelle 10 Bilder zu diesem See angezeigt.

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Lake Moraine (Alberta, Canada)

Ein weiteres Highlight war die Fahrt durch den Kootenay Nationalpark, der mit seiner rauen und unberührten Natur seinen Charm versprühte. Gleich danach folgt die etwa 100 km lange Fahrt durch das wüstenartige Tal von Osoyoos nach Princeton. Die Fahrt entlang des Columbia & Western Rail Trails war faszinierend, da ich stundenlang auf einer Schotterpiste mitten in der Natur fern von jeglicher Zivilisation war. Noch nie im Leben habe ich so eine lange und kalte totale Finsternis wie in dem 1 km langen Eisenbahntunnel erlebt. Ohne jegliches Zeitgefühl und Orientierung ging es mit meiner funzelartigen Stirnlampe (die Batterien waren fast leer) durch den Tunnel. In der Dunkelheit gingen mir einige gruselige Gedanken durch den Kopf. Gleichzeitig war ich erstaunt, wie fokussiert ich durch diesen Tunnel gegangen bin.

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Highway 93; Kootnenay Natinal Park

Die Tiefs meiner Reise waren ganz klar die zahlreichen Pannen in den ersten Tagen meiner Tour. Leider hatte das Ersatzfahrrad ziemlich schmale und wenig geländetaugliche Reifen, sodass am zweiten Tag dreimal hintereinander, spitze Steine oder Metallsplitter am Straßenrad, die es in Kanada leider zu Hauf gibt, für einen Platten sorgten. Bei dieser Anzahl von Platten innerhalb von wenigen Kilometern war ich teilweise kurz davor mein Fahrrad die nächste Böschung hinunter zu werfen. Gut, dass ich ruhig geblieben bin, da ich sonst ohne mein Rad weitergehen hätte müssen .

Ebenfalls enorm ärgerlich war, dass sich die Pedale schon am ersten Tag mit Kratzgeräuschen bemerkbar machten und am zweiten Tag die Kugellager komplett verkanteten, sodass die Pedale in einer starren Position blieben. Das passierte ungefähr 20km vor Lake Louise. Dies waren mit Abstand die längsten und mühsamsten 20 km meiner Radfahrkariere.

Eine weitere Pannengeschichte kann ich aus dem Koontenay Nationalpark berichten. Den ganzen Vormittag, hatte ich bei der Abfahrt auf die ich mich so sehr gefreut habe, konstant Gegenwind. Nach einer kurzen Pause am Seitenstreifen stellte ich fest, dass ein Draht im Hinterreifen steckte und ich den Reifen flicken musste. Genau in diesem Moment lies der Wind deutlich nach und alle Mücken im Umkreis stürzten sich trotz Moskitospray raubtierartig auf mich.

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Reifenpanne im Kootenay National Park

Trotz dieser Umstände habe ich auch eine schöne Erinnerung an diese Situation. Als ich nach mehrmaligem Reparieren feststellte, dass es aufgrund des hohen Reifendrucks sinnlos war den Reifen erneut zu flicken und ich mir etwas Unterstützung erhoffte, kam James vorbei und half mir beim Flicken. James habe ich am Abend zuvor auf dem Campingplatz kennengelernt. Bei unserem Gespräch lud er mich nach Vancouver ein um dort für ein paar Tage bei ihm und seiner Familie unterzukommen. Er meinte ich sei herzlich willkommen und könne mir so viel Zeit nehmen, wie ich benötige, um mein Fahrrad abzuholen und alles für die weitere Fahrt zu organisieren.

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James und sein Soh Patric.

Genau solche Begegnungen wie diese mit James, von dessen Haus ich gerade den Blogbeitrag schreibe, machen die Reise zu etwas Besonderem. Ich habe auf meiner Tour so viele nette und herzliche Menschen getroffen, die mich gastfreundlich und großzügig empfingen und mir ihre Wohnung zur Verfügung stellten. Für mich ist das nicht selbstverständlich und ich freue mich jedes Mal sehr darüber. So fühle ich mich bei James Familie absolut wohl und freue mich, die Familie bei einem zukünftigen Kanadaurlaub wieder zu besuchen.

Eine weitere besondere Begegnung war in Osoyoos, als ich an der Seepromenade saß und im Internet nach einem geeigneten Platz zum Zelten suchte. Christie, ihr Mann Karl und Christies Vater Murray setzten sich zu mir an die Parkbank und fingen ein Gespräch mit mir an. Das Gespräch war so schön und tiefgründig, dass mir die weiteren Pläne für den Nachmittag unwichtig erschienen. Schlussendlich unterhielten wir uns 4 oder 5 Stunden und tauschten uns über total private und emotionale Themen aus, dass bei allen die eine oder andere Träne floss. Das berührte mich sehr und tut es immer noch, wenn ich so daran denke. Christie und Karl luden mich nach Whistler in ihr Air B’n’B ein, dass dieses Mal leider nicht auf meiner Tour liegt. Ich bin mir sicher, dass ich die beiden bei einem zukünftigen Kanadaurlaub besuchen werde.

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Christie, Karl & Murra

Murray, der in Vancouver lebt und geschäftlich eine Wohnung nahe des Stanley Parks hat, habe ich wieder getroffen. In Osoyoos meinte er, wenn ich es bis nach Vancouver schaffe, lädt er mich zum Essen ein. Und wie es sich für Vancouver gehört, waren wir Seafood essen und hatten einen schönen Abend. Das Essen war superlecker, bloß die rohen Austern werden es wohl nicht auf die Liste meiner Leibspeisen schaffen.

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Seefood in Vancouver

Mit dabei war Kimberly eine von Murrays Geschäftspartnerinnen, die mich aufgrund meiner Rückenbeschwerden am nächsten Tag zum Hot Yoga mitgenommen hat.

Apropos Rückenschmerzen. An alle, die vorhaben, eine lange Tour mit dem Fahrrad zu machen, kann ich nur empfehlen, das Fahrrad bei einem Spezialisten auf sich einstellen zu lassen. Das Geld lohnt sich zu 100%. In meinem Youtube Video über mein Bikefitting bei Pützbikes bekommt ihr einen Einblick, worauf bei der Fahrradeinstellung zu achten ist.: https://www.youtube.com/watch?v=nXmt-m5PGPo&ab_channel=DariusBraun

 

Eine tolle Begegnung war, als ich nach Castlegar zu Kelly und Keith kam. Kelly hatte ich zuvor über Warmshowers angeschrieben und nach einem Übernachtungsplatz gefragt. Kelly hatte sich erst kurz zuvor bei Warmshowers angemeldet, da sie vor hat, im Januar 2023 mit ihrem Rad von Kalifornien nach Florida zu fahren. Diese Tour macht sie auch nicht nur für sich, sondern möchte zeigen und beweisen, dass man als Epileptikerin in der Lage ist, ein Leben ohne Verzicht zu leben, auf Epilepsie aufmerksam machen und andere Epileptiker entlang der Strecke zu treffen und zu interviewen. Ich bin mir nicht sicher, ob Kelly sich darüber bewusst ist, ich halte sie jedenfalls für eine absolute Inspiration für viele Menschen und gerade als Frau finde ich es unheimlich mutig und stark von ihr, dass sie dieses Abenteuer nicht im Schatten eines Mannes macht, sondern unabhängig durchführt.

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Kelly & Keath

Außerdem war es für mich besonders, als ich am vorletzten Tag bevor ich in Vancouver eintraf, bei Harrison Mills am Strand zum Baden ging und mich ein sympathischer älterer Herr ansprach. Kurz darauf erzählte ich ihm von meiner Tour und meiner Geschichte woraufhin, er mich zum Barbecue einlud. John und seine Frau Shirley treffen sich regelmäßig mit ihren Freunden zu einem gemeinsamen Essen und waren sehr von meiner Geschichte und meiner Mission, Menschen zu inspirieren angetan. Nach dem Essen fragte mich John, ob er und die gesamte Gruppe für mich beten und mir ihren Segen aussprechen dürften.

Alle um mich versammelt und für mich betend war dies ein ganz besonderer Moment.

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Barbecue mit John und Freunden

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